Leben. Glauben. Arbeiten. - Männercamp Schweden
Kurzbeschreibung
Ein Projekt für Männer, die auf den Glauben nur schwer ansprechbar sind. Das gemeinsame Arbeiten an einem historischen Bauernhaus bringt Männer äußerlich und innerlich zueinander. Die tägliche Themeneinheit verknüpft Lebensthemen mit biblischen Texten und Naturerfahrungen. In Tagesanfang, Mittagsgebet und Tagesabschluss haben die Tage einen geistlichen Rahmen.
Beschreibung
Leben. Glauben. Arbeiten
Männercamp in Schweden
"Männer kommen nicht ohne weiteres über ihren eigenen Glauben und ihre Zweifel ins Gespräch."
"Männer sind schwer zu erreichen, wenn es darum geht, mit ihrer inneren Welt in Kontakt zu kommen."
"Männer packen dagegen gern an, möchten sehen, was sie geschafft haben."
Das sind vermutlich Klischees. Und doch: Die Erfahrungen aus zehn Männercamps in Schweden scheinen diese Klischees zum Teil zu bestätigen.
Religionssoziologischer Hintergrund
Neuere religionssoziologische Untersuchungen untermauern dies. So ist z.B. bei der Lebensstilanalyse der vierten EKD-Mitgliederbefragung auffällig, dass in fünf der sechs Lebensstiltypen Männer prozentual unterrepräsentiert sind. Der einzige Lebensstiltyp, in dem es mehr Männer als Frauen gibt, ist der so genannte "von Do it-yourself geprägte, moderne Lebensstil", in dem man "einer christlich-religiösen Deutungsperspektive mit einer gewissen Skepsis, manchmal auch mit Ablehnung" begegnet (Kirche in der Vielfalt der Lebensbezüge, hg. W. Huber u.a., 2006, S.227). Es ist offensichtlich, dass Sinnsuche von Männern und die Angebote von Kirche häufig nicht kompatibel sind.
Dies bestätigt auch eine weitere Untersuchung. In einem Forschungsprojekt der Männerarbeit der EKD und des katholischen Männerwerkes an der Universität in Bayreuth wurden kirchenferne Männer bezüglich ihrer Sinnsuche und Spiritualität befragt. Dabei wurde deutlich, dass Sinn nicht reflektierend erfasst, sondern einfach erlebt wird. Das passiert z.B. in Beruf und Beziehungen. Einen herausragenden Platz hat dabei das Erleben von Natur als Gegenwelt, die als reinigend gegenüber Leistungs- und Profitdenken, der Hetze und fremdbestimmter Pflicht erfahren wird. Die Kirche wird in der Regel abgelehnt, Vorstellungen von Gott sind eng mit Naturerfahrungen verbunden (Was Männern Sinn gibt, Abschlußbericht zum Forschungsprojekt "Die unsichtbare Religion kirchenferner Männer?" Verlag Männerarbeit, Kassel 2005).
Das Projekt: Leben. Glauben. Arbeiten.
Der Ansatzpunkt ist das Arbeiten. Ein altes Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert im schwedischen Wald wird in einen relativ ursprünglichen Zustand zurückgebaut. Viele Schichten Tapeten werden abgelöst, um an die ursprünglichen Holzbalken heranzukommen, die schwedische Männer vor 300 Jahren mit der Hand bearbeitet haben. Viele Gelegenheiten ergeben sich, während der Arbeit darüber nachzudenken: Wie haben diese Menschen gelebt? Wie haben sie gearbeitet? Was mögen wohl ihre Träume gewesen sein? Und es breitet sich eine Ehrfurcht aus: Mit welch einfachen Mitteln haben die Männer dieses Holz aus dem Wald geholt, bearbeitet und mit Muskelkraft ein Haus aufgebaut, das den rauen Wintern und den warmen Sommern trotzt.
So kommen die Männer auch miteinander ins Gespräch: über ihre Arbeit, ihren inneren und äußeren Druck und ihre Träume. Lediglich an vier von acht Tagen wird jeweils drei bis vier Stunden gearbeitet. Jeder tut das, was er will. Es gibt keinen Leistungsdruck. Im Gegenteil, die Männer müssen aufgefordert werden aufzuhören, Zeiten einzuhalten, Maß zu halten mit ihrer Zeit und Energie. Entstehen soll ein Haus für öffentliche Belange, ein einfaches, naturverbundenes Tagungshaus im dichten Wald Smalands. Im Laufe der Jahre haben viele Männer eine hohe Identifikation mit diesem Haus aufgebaut. Der bereits fertige Tagungsraum mit offenem Kamin wird liebevoll als "unsere Kirche" bezeichnet.
Dieses gemeinsame Arbeiten macht sensibel und offen, sich auch anderen Themen zu stellen, dem Glauben. Dabei geht es um Lebensthemen:
- Ständig unter Druck - Wie komme ich da raus?
- Was hält mein Leben? - Petrus auf dem See
- Kampf, Sieg und Erschöpfung - Die Geschichte von Elias Gottesbegegnung
- Träume dein Leben - Gottes Traum
- Meine Zeit - Alles hat seine Zeit
Wichtig sind auch Anfangs- und Schlussgottesdienst in der Natur. Mit einer biblischen Geschichte gehen wir in die Natur, z.B. mit Psalm 23. Und auf einer frischen Wiese denken wir nach über die "grüne Aue" des Lebens. Am klaren Bach schmecken wir das "frische Wasser". Im dichten Unterholz kommen uns die Erfahrungen des "dunklen Tales" entgegen. Und auf einem großen Felsen mit wundervollem Blick auf den Waldsee erleben wir den "gedeckten Tisch": Brot, Wein, Trauben, Käse, Saft. Biblische Texte eröffnen in der Natur neue Erfahrungsräume.
Alltag, eigene Biographie und biblische Botschaft kommen miteinander in Kontakt. Und das Erstaunliche passiert: normale Männer zwischen 30 und 70 Jahren - Ingineure, Briefträger, Unternehmensberater, Elektriker, Firmenchefs, Verkäufer, Bankangestellte, Informatiker, Journalisten, Maler - kommen ins Gespräch über ihr Leben und - ganz tastend - über ihren eigenen Zweifel und Glauben. In Schweden, in der Einsamkeit und in der Ruhe, in der Natur und in der wachsenden Gemeinschaft geht das. Tagesbeginn und Tagesabschluss bilden einen spirituellen Rahmen, der für manchen ungewohnt ist und eingeübt werden muss. In der Schlussrunde sagt ein Teilnehmer dazu: "Also Männer, das muss ich euch mal sagen. Als wir am ersten Morgen hier mit Psalmlesung und Lied angefangen haben, habe ich gedacht, wo bin ich hier bloß gelandet? Jetzt am Ende der Zeit weiß ich gar nicht, wie ich ohne das weiterleben soll!" Das sind Highlights von Männercamps. Sie machen deutlich: Veränderung ist möglich.
Viele Männer erleben das Leben neu. In Gemeinschaft oder allein in der Natur kommt vieles zum Vorschein, was lange verschüttet war:
- mit dem Ruderboot auf den See und angeln
- ein großes Lagerfeuer wird aufgeschichtet und am Abend abgebrannt
- lange Touren durch den Wald auf der Suche nach dem Elch und die Erfahrung des sich Verlaufens
- intensive Gespräche abends am Kamin oder auf der Veranda.
Diese Woche in Schweden wird als besondere Auszeit erlebt. Wichtig am letzten Tag ist die Aufforderung in der Tagungsmappe: Wenn ich jetzt nach Haus komme, welches sind die Dinge, die ich konkret ändern werde?
Seit 2000 führt der Nordelbische Gemeindedienst Männercamps in Schweden auf dem Hof "Lindshult" im verträumten Smaland durch. Das Konzept hat sich bewährt. Die körperliche Arbeit, der sichtbare und anfassbare Erfolg der Arbeit und die damit verbundene Gemeinschaftserfahrung ermöglichen erst eine innere Öffnung für die Themen des Lebens und des Glaubens.
2007 hat ein Team des NDR-Fernsehens ein Camp begleitet und ein Feature darüber gesendet (21.10.). Daraufhin war die Nachfrage überwältigend.
Übrigens: ca. ein Drittel der Teilnehmer wurden von ihren Ehefrauen oder Partnerinnen angemeldet. Damit wäre das Klischee wieder erfüllt!
Termine
13. - 20. Juni 2009
Die Camps finden ein- bis zweimal im Jahr statt. Die Termine für 2010 stehen noch nicht fest.
Veranstalter
Gemeindedienst der Nordelbischen Ev.-Luth. Kirche, Königstr. 54, 22767 Hamburg
Ansprechpartner und Kontakt
Pastor Peter Barz
Bahnhofstr. 90, 24582 Bordesholm, 04322 889404, 0170 522 9680
Ausgangspunkt
- Das Wissen um die Schwierigkeit, Männer mit dem Glaubensthema zu erreichen
- Ein leer stehendes altes Bauernhaus in Schweden ohne Nutzen
- Der "kairos", in dem beides zusammen kam
Projektgruppe
Das Leitungsteam besteht aus dem ehrenamtlichen Mitarbeiter, Peter Jacobsen, und dem Referent für Gemeindentwicklung und missionarische Projekte, Peter Barz. Hinzu kommt immer noch ein Koch. Entscheidend ist das gegenseitige Lernen im Leitungsteam. Peter Jacobsen bringt als Bauunternehmer eine hohe Fachlichkeit für die Arbeiten beim Haus ein und leitet die einzelnen Arbeiten an. Als Prädikant der Nordelbischen Kirche gestaltet er auch das inhaltliche Programm intensiv mit.
Ziele
- Männern eine Auszeit ermöglichen
- Erfahren von Gemeinschaft beim gemeinsamen, stressfreien Handwerken ohne Leistungsdruck
- Begegnungsräume schaffen mit sich selbst, der Gruppe, der Natur und Gott
- geistliche Lebensführung einüben
- Deutungsmöglichkeiten ganzheitlich anbieten, wie alltägliches Leben und christlicher Glaube in Beziehung treten
Zielgruppe
Männer zwischen 30 und 60 Jahren, die nur wenig Kontakt mit Kirche und Glauben haben
Konzeptionelle Einbindung
Das Projekt macht exemplarisch deutlich, dass Männer über andere Angebote und Methoden angesprochen werden müssen, um sie zu erreichen. Dies lässt sich auch auf Projekte der Gemeindeentwicklung übertragen. Nicht jede Gemeinde baut ein Bauernhaus in Schweden aus. Und doch ist deutlich, das der Dreischritt "Gemeinsames Leben - Glauben kennen lernen - zusammen Arbeiten und Gestalten" konzeptionell übernommen werden kann, wenn Männer angesprochen werden sollen. In Vorträgen und Workshops wurde dies Konzept vorgestellt (z.B. in Gemeinden, Pfarrkonventen und überregionalen Studientagen) und hat so zu neuen Initiativen geführt.
Unterstützung der Mitarbeiter
In dem Leitungsteam findet eine intensive inhaltliche und organisatorische Vorbereitung statt. Dabei wird das ehrenamtliche Leitungsmitglied methodisch und inhaltlich befähigt, die Programmpunkte in Absprache durchzuführen. Jeden Abend findet ein Reflexionsgespräch statt, in dem sich die Teammitglieder gegenseitig Rückmeldung geben.
Öffentlichkeitsarbeit
Eine Pressemitteilung wird durch den Evangelischen Pressedienst (EPD) an Zeitungen und andere Medien verschickt. So kommt es immer wieder zu Veröffentlichungen in der Tagespresse (auch BILD), die im redaktionellen Teil das Camp ankündigen und beschreiben. Dadurch werden Männer aus dem nicht kirchlichen Bereich erreicht, denen auf Anfrage ein Flyer zugeschickt wird. Auch der NDR ist durch die Pressemitteilung des EPD aufmerksam geworden und hat ein Feature über das Projekt gedreht und mehrfach gesendet. Das hat zu starker Nachfrage geführt.
Weiterhin erhalten Männercampteilnehmer der vergangen Jahren jeweils zwei Flyer zugeschickt mit der Bitte, den zweiten an einen anderen Mann weiter zu geben.
Finanzierung
Das Projekt trägt sich selbst. Weil die Männer am Haus arbeiten (an 4 Tagen je 3,5 Stunden), wird auf Unterkunftskosten verzichtet. Die Teilnehmer zahlen nur die Kosten für Fahrt und Verpflegung. So ist es möglich, eine Woche Schweden für unter 300 Euro anzubieten. Bei sozialen Härtefällen übernimmt der Förderverein des Gemeindedienstes einen Teil der Kosten.
Auswertung / Erfolgskontrolle
Mit einem Feedbackbogen werden die Männer ca. zwei Wochen nach dem Camp um Rückmeldung gebeten. Die Rückmeldung bezüglich des inhaltlichen Programms ist überwältigend. Kritik wird manchmal an der Kargheit der Lebensbedingungen geübt. Das ist allerdings konzeptionell gewollt.
Ein weiteres Indiz für den Erfolg ist, dass Männer sich immer wieder anmelden. Das Leitungsteam hat darauf zu achten, dass mindestens 50% der Plätze für neue Teilnehmer freigehalten werden.
Nachwirkungen
Eine Nachwirkung ist u. a. ein reges Medieninteresse.
Verwendung der Preisgelder
Die Preisgelder können in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden:
- Ermäßigungen der Teilnehmerbeiträge in sozialen Härtefällen
- Anschaffung von Materialien: Betten, Matratzen, Sonnensegel, Gaskocher, Geschirr, Besteck...
- Anschaffungen von Ma
Kontakt-Email
barz-bordesholm(at)t-online.de
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